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Staub zu Staub?

Gerade heute, am Aschermittwoch, hören wir ja wieder viel von Politikern. Da werden markige Reden geschwungen und oft feiert man sich hauptsächlich selbst.
Dabei ist Aschermittwoch als Beginn der Fastenzeit ja eigentlich der Tag, an dem man sich bewusst werden sollte, dass man selbst nur ganz klein ist. "Mensch, gedenke: Von Staub bist Du genommen, zum Staub wirst Du zurückkehren." Das eigentlich impliziert schon, dass ein großes ABER nachkommt.
Wenn wir uns in unserer Gesellschaft umsehen, scheint es, als ob das "Sich-selbst-nicht-so-wichtig-Nehmen" irgendwie ein bisschen aus der Mode gekommen wäre. Altruistisches Verhalten verliert scheinbar immer mehr an Stellenwert. Analog zum Trump'schen Wahlkampfmotto "America first" entwickelt sich immer mehr eine "Ich zuerst"- oder sogar eine "nur ich"- Haltung.
Das tut weder dem Einzelnen noch der Gesellschaft wirklich gut.

Während ich einem "gesunden Egoismus" noch etwas abgewinnen kann - völlige Selbstaufgabe ist sicherlich auch nicht zielführend - finde ich die momentane Entwicklung tatsächlich schwierig. Denn nur auf sich selbst zu schauen und seine Interessen mit aller Macht durchsetzen zu wollen öffnet den unsozialen Treibern und Bauernfängern Tür und Tor. Neid und Missgunst gedeihen wunderbar, wenn ich und NUR ICH zähle. Wenn Empathie und Altruismus zugunsten von Missgunst und Egoismus auf der Strecke bleiben, wird ein soziales Miteinander schwierig bis unmöglich.

Die Tendenz in diese Richtung zeigt sich bereits in frühen Jahren. Studien zeigen, dass etwa jeder 6. Schüler im Alter von 15 Jahren von Mobbing betroffen. Dabei zeigt sich, dass ein großer Anteil an Mobbingfällen in der Schule stattfinden. Doch dort hören sie nicht auf. Gerade das sogenannte "Cyber-Mobbing" nimmt mit der rasanten Ausbreitung der neuen Medien immer mehr zu. 37% der 12-19 Jährigen geben in der JIM-Studie an, dass sie ein Cyber-Mobbing-Opfer kennen, je älter die Kinder und Jugendlichen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst derartige Erfahrungen machen.
Doch nicht nur Cyber-Mobbing - auch Spiele mit gewalttätigem oder -verherrlichendem Inhalt werden immer häufiger gespielt. War in unserer Zeit das gewalttätigste, einen Lemming zu sprengen um den Rest zu retten, werden heute "Shooter-Games" zum Entspannen gezockt.

Das Ganze ist aber kein Jugendphänomen. Egal wo man hinschaut - der Ton wird rauher. Ob es um Berichterstattung in den Medien oder polititsche Reden geht - immer häufiger finden sich Formulierungen, die vor 10 Jahren noch Betroffenheit oder Entrüstung ausgelöst hätten. Heute ernten sie oft nur noch ein Schulterzucken.
Beispiele finden sich viele - und leider nicht nur in der ganz rechten Ecke, sondern durch (fast) alle Schichten und in (fast) allen Feldern des Lebens.
Meine Sorge ist, dass Gewalt - egal ob verbale oder körperliche - immer mehr zu Normalität wird, dass wir alle als Gesellschaft abstumpfen. Wo sind wir denn schon hingeraten, wenn nach einer Amokfahrt in einen Karnevalsumzug nicht zuerst nach den Opfern gefragt wird, sondern nach der Nationalität des Täters?

Ich finde, wir sollten uns fragen, ob wir wirklich in einer Gesellschaft leben wollen, in der Menschlichkeit und soziales Verhalten als "Gutmenschentum" abgetan wird und soziale Herkunft, religiöse Zugehörigkeit oder persönliche Lebensweise als Gradmesser für den Wert eines Menschen herangezogen werden.

In diesem Sinne:


Mensch, gedenke, dass Du von Staub genommen bist und zu Staub zurückkehren wirst.

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