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die Krise kratzt an uns...

Die Krise betrifft uns alle. Und sie verändert uns. Bringt Eigenschaften hervor, die vorher oft gut verborgen waren. Leider nicht immer nur die besten...

Zugegeben: Bei vielen kommen die guten Eigenschaften hervor. Hilfsbereitschaft, Solidarität, Kreativität, Altruismus. Da wird für andere genäht oder eingekauft, es werden Karten geschrieben, Hausaufgaben unterstützt oder Kuchen gebacken. Alles wunderbar. 

Aber es gibt auch die andere Seite, die sich auch immer öfter zeigt.
Der Neid, das Denunziantentum, der Egoismus.
Das zeigte sich schnell an leeren Klopapierregalen und etwas langsamer an Polizeieinsätzen wegen "illegaler Treffen"...

Durch ein kleines Virus sind wir in unsrer Demokratie plötzlich an einem Punkt, wo selbst die Demokratie am seidenen Faden hängt. Wo Menschen plötzlich mit Macht ausgestattet sind, die sie vorher nicht in diesem Maße hatten. Mit Macht muss man verantwortlich umgehen - und das ist nicht immer einfach. Dazu gehört auch, dass man die Freiheit haben muss, zu entscheiden, die Macht nicht einzusetzen - auch wenn man sie hat. Wenn also Polizisten Menschen im Park an den Abstand erinnern würden, ohne zwangsläufig jeden Sitzenden aufzutreiben - solange sich die Leute an das Abstandsgebot halten. Das tun tatsächlich viele - während andere "konsequent" durchgreifen. Sitzen - verboten. Abholen von bestellten Waren in einem Laden, der nicht die tägliche Versorgung sicherstellt - verboten. Auto waschen - verboten.
Es ist ein bisschen so, wie mit dem Schaf, das alles doof findet - kennt ihr, oder?
Da rückt tatsächlich die Polizei aus, weil ein Anrufer von "Koronaparties" berichtet, die in Wirklichkeit nichts anderes als ein familiäres Grillen im eigenen Garten mit unter-einem-Dach-lebenden Personen ist. Da werden 150€ fällig, weil man sich beim Spaziergang auf eine Bank setzt, da kontrollieren Beamte verstärkt Autowaschanlagen...
Es mag sein, dass die momentane Notstandsverordnung dies möglich macht - ob dieses Vorgehen auch gerechtfertigt ist, ist fraglich. Beim Autowaschen ist mir noch nie jemand nahe gekommen. Wenn ein Rentner alleine auf einer Parkbank sitzt, kommt er auch niemandem zu nahe.
Wenn Dinge, die zuvor bestellt wurden, kontaktlos abgeholt werden ist das eine kreative Möglichkeit, die Hygienevorschriften einzuhalten. Für manche kleinen Läden ist dies vielleicht auch die einzige Möglichkeit, sich irgendwie über Wasser zu halten.
Und genau da komme ich an den Punkt, dass ich mir - bei allem Willen zur Kooperation und bei aller Sinnhaftigkeit des social distancings - Sorgen mache, dass die Bereitschaft der Bevölkerung, die Maßnahmen mitzutragen, schnell nachlassen wird. Denn diese Dinge sind kaum begründbar und erregen Unwillen. Die Gefahr dabei ist, dass vor lauter Rebellion dann auch hier nicht mehr auf Maß und Ziel geachtet wird.
Eine Balance ist derzeit sicher schwer zu finden - immerhin sind wir alle zum ersten Mal in dieser Lage. Nichtsdestotrotz braucht es eine Balance...

Ich hoffe für uns alle, dass wir dieses Gleichgewicht finden - jeder für sich und wir als Gesellschaft auch.



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