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die Kinder

Wisst ihr, was mich in der ganzen Corona-Diskussion wirklich wahnsinnig macht?  Das wir in dieser Krise kaum bis gar nicht an die Kinder denken.
Sicherlich - jetzt machen wir die Schulen auf. Aber diskutiert wird dabei in erster Linie über das Ansteckungsrisiko, das von den Kindern ausgeht, die Not der Eltern, die Mehrfachbelastung von Familien, die Arbeitsfähigkeit der Eltern, das Risiko für die Lehrer usw.
Diskutiert wird - zumindest öffentlich nicht wahrnehmbar - selten bis gar nicht über das, was denn tatsächlich gut für die Kinder wäre oder was die brauchen.
Vielleicht lese/höre ich die falschen Quellen - bei mir entsteht zumindest dieser Eindruck.

Zuerst haben wir Schulen und Kindertagesstätten von heute auf morgen zugemacht. Noch bevor alles andere zu war. Wir haben Familien von jetzt auf gleich vor das Problem gestellt, Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bekommen - ohne die Möglichkeit, Unterstützung von außen zu bekommen. ICH als Erwachsene verstehe den Gedanken hinter den Schulschließungen - für die meisten Kinder kam es völlig aus dem Nichts und es hat sie zutiefst verunsichert. Kindergarten- und Krippenkinder verloren von heute auf morgen eine wichtige Bezugsperson - für viele, ohne dass sie verstehen konnten, was los ist. Spielplätzen waren dicht - gerade in Städten für viele Kinder der einzige Platz, wo sie wenigstens ein bisschen raus können aus den eigenen vier Wänden.... Insgesamt muss man sagen: Verständlich, aber: nicht im Sinne der Kinder
Dann haben wir von ihnen gefordert, dass sie - ohne direkten Kontakt zu Freunden, Omas, Tanten, Cousinen oder mit wem sie auch sonst regelmäßig Kontakt hatten - möglichst gut und problemlos funktionieren. Schließlich waren wir Eltern ja zum großen Teil immer noch beruflich gefordert. Die, die plötzlich nicht mehr beruflich gefordert waren, waren irgendwie auch nicht so wirklich entspannt. Kein großes Wunder, wenn plötzlich die wirtschaftliche Existenz in Gefahr ist. Wir Großen: verunsichert, überfordert, am Rand unserer Kapazität, die Kinder: bitte problemlos. Auch das: nicht wirklich im Sinne der Kinder.
Nachdem sich nach rund 2-3 Wochen die Sache mit dem Unterricht daheim langsam eingeschwungen hat, Kinder, Lehrer und Eltern in vielen Fällen einen Weg gefunden haben, halbwegs mit der Misere umzugehen (und auch hier glaube ich sind wir alle mehr oder weniger nah an unsere Grenzen - und viele von uns auch schon ein Stück drüber gekommen) - jetzt entscheiden wir wieder nicht mit Blick auf die Kinder, sondern auf unsere Bedürfnisse, auf die des Arbeitsmarktes usw.
"Die Kinder brauchen wieder Schule" - ja, das brauchen sie. Aber nicht unbedingt (manche vielleicht auch) wegen der Stoffvermittlung. Was sie brauchen ist wesentlich vielschichtiger:

  • Sicherheit
  • Aufsicht
  • Struktur 
  • bekannte Muster
  • ein Gefühl von Heimat 
  • Halt 
  • Menschen, die sie verstehen 
  • Kontakt zur Außenwelt 
  • die Möglichkeit, einem etwaig schwierigen Elternhaus zu entfliehen
  • Schutz
  • Spaß
  • das Gefühl von Normalität 
  • ihre Freunde
  • und noch tausend andere Sachen
Wenn also jetzt Schüler auf komplett andere Rahmenbedingungen treffen als vor den Schulschließungen, auf Lehrer, die sicher ihr Bestes geben aber selbst oft sehr verunsichert sind (wer nicht in dieser Zeit, wo heute alles ganz anders ist als gestern und morgen), wenn es vermehrt um "bleib an Deinem Platz", "haltet Abstand", "denkt an die Mund-Nasen-Abdeckung" geht, wenn Pause nicht mehr "im Hof mit meinen Freunden spielen" heißt, wenn also Schule nicht mehr Schule ist - dann finde ich die Frage angebracht, was von dem, was Kinder brauchen, wirklich gegeben ist.
Und dann kann es sein, dass man trotzdem noch an den Punkt kommt, die Schulöffnung als sinnvoll zu erachten. Aber dann hat man die Sicht der Kinder wenigstens mitgedacht. Bislang drängt sich mir nämlich der Eindruck auf, dass wir zwar oft "für unsere Kinder" schreien - aber eigentlich damit unsere Bedürfnisse vertreten.

Bei uns läuft das Homeschooling nicht optimal. Es kostet Zeit, viele Nerven und bringt mich immer wieder an und über meine Grenzen. Bei meinem Sohn habe ich erst nach 4 Wochen bemerkt, dass er nur das allernötigste Minimum macht - und oft nicht einmal das. Seit ich mit allen Lehrern im direkten Kontakt stehe und einfordern kann, was noch nicht gemacht ist, läuft es besser - aber rund ist immer noch was anderes. Für MICH wäre es bedeutend leichter, sie wären wieder einen halben Tag nicht da.
Für meine KINDER glaube ich, dass es mehr Durcheinander und Aufruhr bringt, als Nutzen.
Ich glaube, dass sie von der Lockerung der Kontaktverbote und der daraus resultierenden Möglichkeit, ihre Freunden wieder zu treffen (auf Abstand - aber bei dem Wetter gehen sie eh radeln, da ist der Abstand per se relativ gut gewahrt) wesentlich mehr profitieren, als von der Öffnung der Schulen vor den Pfingstferien. Zumal eine etwaige neuerliche Schließung das Drama perfekt machen würde.

Ich habe - wie so oft in den letzten 2 Monaten - keine Idee, was richtig oder falsch, besser oder schlechter ist. Vielleicht wäre es besser, gezielt zu schauen, welche Schüler offensichtlich nicht gut mit der Zuhause-Schule können. Von wem keine oder schlechte Rückmeldungen kommen. Wer technisch nicht gut genug ausgestattet oder zu Hause zu sehr auf sich alleine gestellt ist. Und diese Schüler unabhängig von der Jahrgangsstufe reinzuholen, um ihnen die Chance zu bieten, am Ball zu bleiben. Vielleicht wäre es besser, vor Pfingsten gar nicht an Öffnung zu denken und statt dessen abzuwarten, wie sich die Teilöffnungen und Lockerungen bis dahin auswirken. Vielleicht wäre es besser, bei Kindern und Eltern Bedarfe abzufragen und zu schauen, wer tatsächlich nicht mehr kann.
Keine Ahnung - ich weiß es nicht. Mich ärgert einfach, wie wir in dieser Zeit als Gesellschaft mit unseren Kindern umgehen.
Das musste jetzt raus, sonst kann ich nicht schlafen....
Gute Nacht

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