Wie viele ja wissen, bin ich Sozialpädagogin. Ein Beruf, über den es viele Vorurteile gibt. So, wie über beinahe alle Berufe. Ich würde von mir behaupten, dass ich kein "typischer" Sozialpädagoge bin. Andere sehen das vielleicht anders.
In den zig Jahren meiner Berufstätigkeit durfte ich schon mit vielen anderen Professionen zusammenarbeiten. Auch mit diversen pädagogischen Berufen. Es hat mir gezeigt: Pädagoge ist nicht gleich Pädagoge. Es gibt Unterschiede in den Herangehens- und in den Sichtweisen. Natürlich gibt es die auch zwischen einzelnen Menschen gleicher Profession. Es zeigt sich aber, dass sie zwischen verschiedenen Berufsgruppen tendenziell immer größer werden.
Das liegt zum einen Teil daran, dass wir vielleicht mit den selben Menschen aber in unterschiedlichen Kontexten arbeiten. Daraus ergibt sich beinahe zwangsläufig eine andere Perspektive auf Menschen. Wenn ich beispielsweise ein Kind im Rahmen einer SpfH (sozialpädagogische Familienhilfe) betreue habe ich sehr oft einen anderen Blick auf das Kind, als ein Lehrer. Weil ich das Familiensystem dazu erlebe, weil ich das Kind in seiner Freizeit, in der Familie, vielleicht mit Freunden usw. beobachten kann, weil ich - wenn ich schulische Themen angehe - in der Regel EIN Kind betreue und nicht 25+ usw. Weil ich einfach einen anderen Ausschnitt aus der Realität dieses Kindes "bearbeite" als ein Lehrer oder der Therapeut oder ein Hort-Mitarbeiter.
So weit, so gut.
Spannend wird es meist dann, wenn zwei verschiedene Professionen mit unterschiedlichen Blickwinkeln und Realitätsschnipseln und oft hohem Leidensdruck und Veränderungswunsch aufeinanderprallen. Wenn also ich als SpfH und dem Wunsch nach weniger schulischem Druck und ein Lehrer mit dem verständlichen Wunsch nach Arbeitsfähigkeit in seiner Klasse versuchen, uns auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen.
Ich weiß nicht, wie gut ihr in Mathe wart - irgendwann hat man mal gelernt, dass man Brüche vor bestimmten Rechenoperationen auf einen gemeinsamen Nenner bringen muss. Das ist in der Mathematik eigentlich gar nicht schwierig. Man macht eine Primfaktorenzerlegung und dann nimmt man jeweils die größte Anzahl an gleichen Primzahlen miteinander Mal. 4x6 wird also zerlegt in 2 und 2 und in 2 und 3. Somit ergibt sich der kleinste gemeinsame Nenner durch 2x2(die meisten 2er) x 3 (die größte Anzahl an 3ern) = 12.
Ganz einfach, wenn man das System mal verstanden hat.
Ich weiß nicht, wie gut ihr in Mathe wart - irgendwann hat man mal gelernt, dass man Brüche vor bestimmten Rechenoperationen auf einen gemeinsamen Nenner bringen muss. Das ist in der Mathematik eigentlich gar nicht schwierig. Man macht eine Primfaktorenzerlegung und dann nimmt man jeweils die größte Anzahl an gleichen Primzahlen miteinander Mal. 4x6 wird also zerlegt in 2 und 2 und in 2 und 3. Somit ergibt sich der kleinste gemeinsame Nenner durch 2x2(die meisten 2er) x 3 (die größte Anzahl an 3ern) = 12.
Ganz einfach, wenn man das System mal verstanden hat.
In der Pädagogik sind die Primfaktoren leider nicht immer so leicht zu erkennen. Manchmal sind sie glaube ich gar nicht klar definiert. Somit kann man auch keinen gemeinsamen Nenner bestimmen, man muss sich darauf einigen. Das kann - im Optimalfall - ganz leicht sein. Wenn man ein Gegenüber hat, das ähnlich tickt wie man selbst, das ähnliche Grundannahmen hat, ähnlich auf die Welt und die Menschen blickt wie man selbst, ähnliche Vorstellungen, Werte, Normen etc hat, ...
Das kann aber auch ein zähes Ringen sein, wenn das Gegenüber viele Dinge ganz anders wahrnimmt oder wertet. Dann gehen manchmal auch zwei oder mehr sehr unbefriedigte Parteien aus einem Gespräch und ab und an kann man sich tatsächlich nicht mal auf ein Minimum an gemeinsamem Nenner einigen. Auch das kommt vor - wenn auch nicht oft.
Lehrer und Sozialpädagogen schauen tatsächlich oft aus völlig unterschiedlichen Richtungen auf Kinder. In den letzten Wochen durfte ich aber viele Lehrer erleben, die auch und gerade jetzt ihre "pädagogische" Seite zeigen. Die verständnisvoll, nahbar, nachsichtig, dennoch fordernd, oft humorvoll und sehr engagiert versuchen, die Situation von Eltern und Kindern zu verstehen und für die Kinder gut handlebar zu machen. Lehrer, die sich nicht nur aufs Eintreiben von Hausaufgaben und Korrigieren von Fehlern beschränken, sondern versuchen, die Kinder aufzufangen und ihnen ein Stück Sicherheit in dieser unsicheren Zeit zu geben. Lehrer, die die Kinder nicht völlig aus der Anforderung lassen (und das ist gut so) sondern fordern und gleichzeitig ein Auge zudrücken, wenn sie merken, dass es irgendwo gerade nicht geht. Lehrer, die oft genug auch mit einem Augenzwinkern eigenen "Unzulänglichkeiten" zugeben und damit viel Druck von Schülern und Eltern nehmen. Lehrer, die auch den Eltern das Gefühl geben, es ist ok, wenn nicht immer alles funktioniert, solange man nicht grundsätzlich alles schleifen lässt.
Lehrer, die eben auch Pädagogen sind.
Solche Lehrer wünsche ich jedem Kind und allen Eltern.
Danke an alle Lehrer, die so sind.
Danke an alle Lehrer, die so sind.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen