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Freundschaft

Freundschaft ist eines meiner ganz alten Themen. Und momentan beschäftigt es mich wieder sehr.
Wenn ich mich zurück erinnere, hatte ich immer gute Freunde. Nie viele, aber immer ein paar.
Als Kind (in der Schule) gehörte ich nicht zu den "coolen". Ich war nicht superhübsch, nicht blond, nicht reich, nicht unbedingt sportlich. Für die Jungs war ich ein Kumpel - was mich (gerade in der Pubertät) den Mädels eher suspekt machte. Manchen war ich zu schlau, anderen zu wenig modisch, andere hatten kein Interesse für Musik, für wieder andere war ich zu unsportlich, ... Ich hätte oft gerne "dazu" gehört - aber wie immer gibt es einfach Gruppen, zu denen man nicht gehört. Manchmal hat mich das geärgert, manchmal traurig gemacht - insgesamt habe ich aber sehr schnell festgestellt, dass ich auch "dazu" gehöre - wenn auch wo anders. Ich hatte immer Gruppen, zu denen ich gehörte. Ich war nie alleine. Manche dieser Freundschaften halten bis heute - und darüber bin ich unglaublich froh. 
Nichtsdestotrotz kriegt man mich heute noch, wenn man mir das Gefühl gibt, nicht "dazugehören" zu dürfen. Das bringt alte Saiten zum Schwingen und der erste Impuls ist immer noch, mich mehr anzustrengen, um doch mitspielen zu dürfen. Da braucht es dann oft ein ganz bewusstes Zurücklehnen und Nachdenken um mich wieder in die Spur zu bringen. Denn tatsächlich ist es für mich keine Freundschaft, wenn ich sie mir "erarbeiten" muss oder wenn ich sie nicht einfach nur um meiner selbst willen bekomme.
Wenn ich mir das wieder klar gemacht habe, kann ich damit leben, wenn ich irgendwo nicht mitspielen darf. Denn ich bin mir sicher: Es gibt genügend andere, bei denen ich mich nicht verkopfen muss, die sich freuen, mich zu kennen und die gerne Zeit mit mir verbringen.
Die anderen sortiere ich von Zeit zu Zeit aus. Das tut weh und hinterlässt Kratzer auf der Seele - und trotzdem ist es ab und an notwendig.

Meine Kinder sind noch nicht so weit. Die müssen erst noch lernen, dass nicht jeder, mit dem ich mal auf dem Spielplatz war, mein "Freund" ist. Dass jemand, der vor anderen schlecht über mich spricht, vielleicht mal neidisch ist - wenn das aber immer und immer wieder der Fall ist wohl nicht mein "Freund" ist. Dass jemand, der mich klein halten muss um selbst glänzen zu können, jemand der nur dann Zeit für mich hat, wenn alle anderen was anderes vor haben oder jemand, der mich nur kennt, wenn er Hilfe braucht kein "Freund" ist. Sie werden erkennen, dass Freundschaft etwas Rares ist, etwas Besonderes - und etwas sehr Wertvolles. Sie werden merken, dass sie einen Haufen "Kumpels" aber nur wenige "Freunde" an ihrer Seite haben und werden lernen, das zu unterscheiden. Zumindest hoffe ich, dass sie das lernen werden. Denn wenn sie es nicht lernen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie ausgenutzt, klein gehalten, hintergangen und/oder verletzt werden. Und all das wünsche ich meinen Kindern natürlich nicht.

Statt dessen wünsche ich ihnen Menschen, die sie nehmen, wie sie sind. Die sie um ihrer selbst mögen und achten, die ihnen Respekt und Freundschaft entgegenbringen. Und ich wünsche ihnen, dass sie sich dessen als würdig erweisen und selbst gute Freunde werden. Welche, auf die man sich verlassen kann, die da sind, wenn man jemanden braucht, mit denen man Spaß haben und Ernst sein kann, die Tränen der Freude, des Lachens und der Trauer mit jemandem teilen, die nachts um drei unkommentiert ans Telefon gehen, manchen Blödsinn mitmachen und anderen verhindern und Menschen sind, mit denen man Geheimnisse teilen, reden, lachen und auch mal schweigen kann. Dass sie eben richtige Freunde sind.

Denn wie heißt es so schön: "Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein." (R.W. Emmerson)

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