Jetzt, so kurz vor Jahresende, ist wieder die Zeit der Jahresrückblicke und der guten Vorsätze. Gern genommen sind da zum Beispiel "Abnehmen" oder "mehr Sport", "mehr Zeit für mich" oder "ruhiger werden". Schwupps sind dann 52 Wochen rum, man überlegt und auf der Liste für das folgende Jahr stehen dann so Dinge wie "Abnehmen", "mehr Sport", "mehr Zeit für mich" oder "ruhiger werden"...
Kennt ihr, oder?
Aber woran liegt es? Weshalb ist es so schwer, Dinge zu verändern? Leider hat das viele Gründe.
Einer ist, dass es unglaublich anstrengend ist, Angewohnheiten zu verändern. In den allermeisten Fällen passen diese Angewohnheiten ziemlich optimal zu unserem Alltag. Wir haben uns um das "nicht-Sport-machen" herum eingerichtet. Ist ja nicht so, dass wir zu Hause auf dem Sofa sitzen und uns denken "was mache ich nur mit den 30 Minuten - keinesfalls gehe ich laufen"... Unser Alltag neigt dazu, jede verfügbare Lücke zu verschlingen und schon ist nichts mehr übrig für all das, was wir uns vorgenommen haben.
Ein anderer ist, dass es eben einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen "Vorsätzen" und "Zielen" gibt. Beide zeigen zwar eine Idee von Veränderung und den Wunsch danach - trotzdem liegen Welten dazwischen.
Während der Vorsatz eher eine grobe Veränderungsbereitschaft darstellt ("Eigentlich müsste ich irgendwann...") ist ein Ziel etwas klar definiertes ("Bis zum 30.05. will ich 5 kg abnehmen")
Vorsätze haben die Schlupflöcher schon im Gepäck, bei Zielen ist es deutlich schwerer, auszukommen - WENN man sie richtig gesetzt hat. Dafür sollte man sich Zeit nehmen und am Besten etwas zum Schreiben zur Hand haben. Dann kann man auch schon los- und die Ziele festlegen. Wichtig dabei ist, sich an einige Grundsätze zu halten:
- Ziele müssen erreichbar sein. "Im nächsten Jahr Olympiasieger im Turnen" zu werden, wenn man bislang nicht mal ohne Schnaufen die Treppe in den ersten Stock hochkommt ist eher nicht realistisch. 10 Kg bis Ende Januar nicht gesund, 3 neue Sprachen fließend sprechen für die meisten von uns ziemlich hoch gegriffen. Manchmal hilft es, wenn man große Ziele in kleinere Etappenziele unterteilt. "Ich will jeden Tag joggen" ist hoch angesetzt, wenn man zweimal nicht dazukommt ist das Risiko sehr groß, dass man ganz aussteigt. Wenn man stattdessen sagt "ich will mindestens 3x pro Woche joggen", dann kann man in einem halben Jahr vielleicht schon auf 4x oder 5x pro Woche steigern - oder man stellt fest, dass 3x optimal ist.
- Ziele müssen klar definiert sein. "Ich will 3x pro Woche joggen" klingt zwar gut - aber nur dann, wenn man tatsächlich schon zufrieden ist, wenn es nur die 4 m bis zum Briefkasten waren... Sollte man mehr von und für sich erwarten, sollte man das in Zieldefinition aufnehmen. "Ich möchte 3x pro Woche mindestens 15 Minuten joggen" - dabei Punkt 1 im Auge behalten. Ist täglich eine Stunde drinnen oder in der Regel nur 15 Minuten?
- Ziele müssen attraktiv sein. "Ich will 3x in der Woche bügeln", wenn man bügeln abgrundtief hasst, wird kaum funktionieren. Möglich, dass das Bügeltrauma nach 4 Körben Bügelwäsche dazu geführt haben, dass man an diesem Punkt Veränderungsbedarf sieht - aber die Wahrscheinlichkeit, dass das Ziel erreicht wird, wenn man überhaupt nicht an dieses Ziel WILL, ist verschwindend gering. Also: Gut überlegen, ob es wirklich das EIGENE Ziel ist oder ob man meint, dass irgendwer das von einem erwartet. Und vielleicht kann man das Bügelproblem ja auch anders lösen - z. B. damit, einmal im Monat zu bügeln oder bei Bedarf oder die Bügelwäsche einfach außer Haus zu geben...
- Ziele sollten einen Endpunkt haben. Bis wann soll das Ziel erreicht sein? Sonst werden sie zum Dauerbrenner und anstrengend und laufen im Endeffekt doch wieder ins Leere, weil es frustet, wenn man nie ans Ziel kommt. Stellt Euch vor, ihr würdet auf einen Berg laufen, immer das Gipfelkreuz im Auge und dann feststellen, dass ihr auf einem Laufband steht, das Gipfelkreuz nur auf der Leinwand und ihr kommt niemals näher? Ihr würdet aufhören zu laufen, oder? Ich würde es tun. Deshalb: Ziele terminieren, erreichen, abhaken und neue setzen.
- Die Mischung machts. Nehmt Euch nicht nur riesige Dinge vor. Gönnt Euch auch ein paar leicht erreichbare Ziele. Das hilft, die Motivation nicht zu verlieren.
- Positiv formulieren. Wenn ihr etwas wirklich erreichen wollt, dann beschreibt genau, WAS ihr erreichen wollt - und keinesfalls, was dann nicht mehr sein soll. "Ich will nicht mehr schreien" ist kein gutes Ziel. "Ich will andere Bewältigungsstrategien lernen" ist besser. "Ich möchte 5x tief durchatmen, bevor ich mich aufrege" wäre wahrscheinlich noch besser...
- Abhaken ist toll. Deshalb sollte man seine Ziele auch irgendwo aufschreiben (manchmal wird sogar empfohlen, sie wo hin zu hängen, wo man sie täglich sieht). Dann kann man sich gönnen, etwas wirklich abzuhaken. Tolles Gefühl!
- Und zu guter Letzt: Nehmt Euch nicht zu viel vor. Ihr könnt ja jederzeit noch nachlegen, wenn ihr bis März schon alles abgehakt habt.
Ich wünsche Euch allen auf jeden Fall schon mal ein wundervolles, glückliches und vor allem gesundes Jahr 2021 an dessen Ende ihr auf einige abgehakte Ziele zurückschauen könnt.
Passt gut auf Euch auf!
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