Ich habe ja beruflich mit vielen Menschen zu tun. Oft auch mit Leuten, die mit ihrer Situation sehr unzufrieden sind, die in unglücklichen Beziehungen stecken oder deren Leben aus irgendwelchen Gründen nicht so aussieht, wie sie es sich erträumt haben.
Dabei kann man ganz unterschiedliche Typen von Menschen kennenlernen. Man sieht die Macher, die Zauderer, die Schwätzer, die Träumer, die Begeisterten, die Mutlosen, die Hoffnungsvollen, die Klagenden und die, die sich beinahe dafür entschuldigen, überhaupt auf der Welt zu sein. Es gibt die, die die Schuld für das Leid der Welt auf ihren Schultern tragen und die, die jegliche Verantwortung für irgendetwas weit von sich weisen. Es gibt die Flüchter, die Angreifer, die Totsteller - und alle möglichen Kombinationen aus alldem.
Heute hatte ich mal wieder ein interessantes Gespräch mit einer Frau, die in einer unglücklichen Beziehung feststeckt und 1000 Gründe findet, warum sie diese nicht verlassen kann. Und alle Gründe liegen in anderen. Sie gibt auch das letzte bisschen Selbstverantwortung und damit auch das letzte bisschen Macht und Entscheidungsfreiheit über ihr Leben auf. An allem sind andere schuld ("Schuld" ist ja sowieso mein allerliebstes Lieblingswort und -thema...*Ironie aus*), für alles sind andere verantwortlich. Und dann sagt sie quasi zum Abschluss unseres Gesprächs: "Es ändert sich ja nichts"
Es
Ja, genau. ES ändert sich nichts. Weil MAN etwas ändern müsste. Weil IRGENDWER anfangen muss damit. Weil SICH niemals etwas ändern wird, solange nicht JEMAND anfängt.
Das Leben neigt nunmal zur Homöostase. Es findet ein Gleichgewicht. Das ist selten wirklich austariert und "fair", aber es pendelt sich ein. Wie ein Mobile. Das hängt im Optimalfall ruhig und wirklich gerade - aber wenn ich an ein Anhängsel noch etwas anderes hinhänge, dann hängt das Ganze nach anfänglichem Zappeln und Kippen irgendwann wieder ruhig - nur eben nicht mehr gerade. Um es wieder gerade zu rücken, muss ich Kraft aufbringen. Ich muss entweder auch an mindestens einem anderen Teil etwas anhängen oder ich muss das Anhängsel wieder loswerden. Wie auch immer - ich muss etwas tun. Von sich aus wird ein schräges Mobile nicht wieder gerade. Nichtsdestotrotz wird es ruhig. Niemand würde von dem Mobile erwarten, dass ES sich alleine wieder ändert. Das wäre ja auch ein Wunder.
Thomas von Aquin sagte: "Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten."
Deshalb mein Aufruf für heute:
Wartet nicht darauf, dass irgendwer vorbeikommt und Euer Leben für Euch ändert. Nehmt es selbst in die Hand. Überlegt, was Ihr verändern wollt und könnt, welche Schritte dafür notwendig sind, wo Ihr HIlfe braucht, wer Euch unterstützen kann, ... Und dann geht Schritt für Schritt voran. Bleibt nicht stehen, sondern lebt Euer Leben eigenverantwortlich. Das kostet Kraft, denn Veränderung bedarf nun mal einer Anstrengung - aber es ist es wert.
Wenn Ihr auf diese Anstrengung keine Lust habt: Betet halt...
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