Herr Dr. Söder,
Herr Prof. Dr. Piazolo,
ich möchte Sie nur kurz auf einige Fehler auf der Internetseite des bayerischen Kultusministeriums hinweisen:
Dort steht im Slider der ersten Seite, dass der Distanzunterricht keine Schülerinnen und Schüler zurücklassen soll. Der darunterstehende Text weist daraufhin, dass Sie, Herr Piazolo, die Wichtigkeit betonen, alle Schülerinnen und Schüler mitzunehmen.
In Anbetracht dessen, wie seit Beginn der Coronakrise mit den Kindern, Lehrern und Eltern umgegangen wird, würde ich dazu neigen, bereits hier einen Fehler auf der Seite zu vermuten…
Damit jedoch nicht genug. Unter dem Punkt „Neuer Fahrplan für das zweite Schulhalbjahr 2020/2021“ heißt es „Auch beim Übertritt in der Jahrgangsstufe 4 nehmen wir zeitlichen Druck heraus“ und weiter unten auf der Seite steht „Die Zahl der Probearbeiten wird erneut reduziert – von 18 auf 14 Probearbeiten. Der Termin für das Übertrittszeugnis wird vom 3. Mai auf den 7. Mai verlegt. Die Aufgaben für den Probeunterricht werden an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst.“
Ich verstehe richtig, dass nach mehr als 5 Wochen Distanzunterricht und der Streichung der Faschingsferien die Verlegung der Übertrittszeugnisse um 4 Tage den Druck herausnimmt? Für wen? Für die SchülerInnen definitiv nicht. Bei meiner Tochter ist bereits jetzt für die erste Woche im Wechsel-/Präsenzunterricht eine Probe angesetzt. Damit Übertrittszeugnisse erstellt werden können, damit der Schnitt berechnet werden kann (von dem Seitens des Kultusministeriums auch dieses Jahr nicht abgewichen werden soll) müssen nämlich Leistungsnachweise her. Und da wird die Zeit knapp... Deshalb wäre es zwar durchaus wünschenswert und im Sinne der Kinder, ihnen ein Ankommen nach langen Wochen zu Hause mit mehr oder weniger Hilfe und mehr oder weniger guter Ausstattung zu gönnen. Es wäre sicherlich auch im Sinne der Kinder erst zu schauen, wer wo steht, wer wo Unterstützung braucht und wer wo noch Defizite hat. Oder der Tatsache Rechnung zu tragen, dass durch die Streichung der Ferien der Grad der Erschöpfung mittlerweile durchaus hoch ist. Statt dessen wird seit Beginn des Distanzunterrichts immer wieder darauf hingewiesen, dass Dinge, die im Distanzunterricht behandelt wurden als gelernt gelten und bei Rückkehr in den Wechsel- oder Präsenzunterricht geprüft werden. Kaum gibt es einen möglichen Tag der Rückkehr an die Schule werden die Probentermine ausgegeben. Der Druck, der aufgrund einer fehlenden Veränderung des Übertrittsverfahrens auf den Lehrern lastet wird direkt an die Kinder (und die Familien) weitergegeben.
Der abschließende Absatz mutet dann schon beinahe wie Hohn an:
„Kultusminister Piazolo betont abschließend: „Ich weiß, dass sich viele eine schnelle Rückkehr zur Normalität wünschen – Corona lässt dies aber nicht zu. Wir haben intensiv mit der Schulfamilie besprochen, an welchen Stellen wir wie eingreifen. Unsere Maßnahmen schaffen die Grundlage, dass die Schülerinnen und Schüler trotz der außergewöhnlichen Situation faire Bedingungen vorfinden und gut durch das Schuljahr kommen. Falls nötig, werden wir weitere Anpassungen vornehmen.““
Ich glaube alle Lehrer, Eltern und Schüler haben sehr klar vor Augen, dass es so schnell keine Normalität geben wird. Keine der genannten Gruppen hält daran fest. Diejenigen, die gerne an der Normalität festhalten wollen sitzen derzeit wohl eher in höheren Ebenen. Der Diskurs mit der Schulfamilie scheint sehr einseitig zu sein und von fairen Bedingungen wollen wir lieber gar nicht erst sprechen. Ich persönlich finde, dass von Grundschülern zu erwarten, dass sie sich Inhalte großteils selbst erarbeiten und diese dann in Hinblick auf einen Übertritt zu prüfen nichts, aber auch gar nichts mit Fairness zu tun hat.
Ich bin stolz auf meine Kinder, die sich seit mittlerweile 5 Wochen mehr oder weniger gut organisieren, strukturieren, motivieren und auf alles mögliche einlassen. Ich bin dankbar für das Engagement der Lehrer, die trotz (und leider nicht wegen) des Kultusministeriums einen hervorragenden Job gemacht haben. Und ja, ich würde mir Normalität wünschen – aber solange es die nirgends gibt würde ich mir vor allem wünschen, dass in Hinsicht auf Dinge wie Leistungsnachweise, Übertritte, Prüfungen, schulische Vorgaben etc. endlich begonnen wird, tatsächlich auf die Kinder und deren Lage zu schauen,
In diesem Sinne: vielleicht lassen Sie die Internetseite einfach mal überprüfen…
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