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Solidarität - kann man das essen?

Ich liege weit hinter meiner angestrebten Blog-Frequenz zurück. Das hat mehrere Gründe. Ein kleiner Unfall hier, zu viel Arbeit da - hauptsächlich aber die Tatsache, dass ich einerseits nicht nur Belanglosigkeiten schreiben, andererseits aber auch nicht immer und immer wieder das selbe Thema beackern will. Die meisten anderen Themen scheinen aber im Vergleich zu Corona und der damit verbundenen Politik belanglos...

Also auf ein Neues....

Das bayerische Schuljahr 2020/2021 neigt sich dem Ende zu. Ein außergewöhnliches Schuljahr, das viele Knackpunkte und Schwachstellen des Systems, der Ausstattung, der Lehrerausbildung, der Lehrpläne, der Schulgebäude, der Lehrer-Kind-Beziehungen, der Elternhäuser ... sehr deutlich aufgezeigt hat. Wäre man sehr naiv oder extrem optimistisch könnte man denken: "Jetzt wissen wir, wo es hängt, jetzt können wir gezielt daran etwas ändern." Ja, theoretisch könnte man das.
Man könnte Klassenzimmer mit Lüftungen ausstatten, Schulen mit schnellem und funktionierendem Internet versorgen, die Möglichkeiten für Streaming schaffen, Lehrkräfte für die neue Herausforderung schulen, Man könnte Lehrpläne entrümpeln, sich Gedanken über Notengebung machen, Schülerinnen und Schülern Angebote für soziales Lernen machen. Man könnte dafür sorgen, dass Kindern ab 12 ein flächendeckendes Impfangebot gemacht wird, dass aussagefähige Tests in Schulen kommen, Kohortenkonzepte entwickelt werden und dass Eltern Planungssicherheit für das kommende Jahr erhalten. Man könnte tragfähige Konzepte entwickeln und Vorbereitungen treffen.

Aber was das kosten würde. Und wofür denn? Lief doch letztes Jahr auch und schließlich rechnen wir ja damit, dass jetzt dann alles wieder gut ist. Wenn nicht dieses Jahr, dann halt nächstes Jahr.

Ich neige zu Pflichtpessimismus. Das Leben hat mir bisher gezeigt, dass der näher an der Realität liegt, als Optimismus. Ich persönlich glaube nicht daran, dass das Thema "Corona" und "Einschränkungen" im Herbst abgeschlossen sein wird. Vielleicht für die Fußballspiele. Nicht aber für Schülerinnen und Schüler. Die werden im Herbst bei steigenden Zahlen und fallenden Temperaturen wieder mit Masken und Jacken in quergelüfteten Klassenzimmern sitzen oder den Wechselunterricht mit Arbeitsblättern statt gestreamten Unterrichtsstunden verbringen, weil in den letzten 17 Monaten leider vergessen wurde, IRGENDETWAS, das auch nur im entferntesten nach tragfähigem Konzept aussieht, zu entwickeln.

Stattdessen wurde immer und immer wieder Solidarität eingefordert. Solidarität mit Alten, Schwachen, Nicht-Impfbaren. Solidarität darin, dass Masken getragen, Abstand gehalten, Feste und Schulfahrten abgesagt, Veranstaltungen abgeblasen, ganze Berufszweige eingeschränkt wurden.
Da ist prinzipiell auch nichts dagegen einzuwenden. Solidarität ist im Zusammenleben etwas extrem Wichtiges. Sie ist quasi unabdingbar für eine Gemeinschaft.

Nur leider funktioniert es nicht, wenn man die immer nur von anderen fordert. Manchmal überlege ich mir, was wohl passieren würde, wenn wir den Entscheidern in der Politik

  • 15 Tage Urlaub streichen würden (Faschingsferien + 2 Wochen "Sommerschule"), damit sie Dinge, die sie pandemiebedingt in ihrer regulären Arbeitszeit nicht haben leisten können nacharbeiten
  • abverlangen würden, den kompletten Tag mit Maske und Abstand an ihrem Platz zu sitzen während zeitgleich im Fernsehen die Bilder der Großereignisse zu sehen sind, bei denen sich keiner um Maske und Abstand schert (egal ob bei Demos oder bei Sport-Großereignissen)
  • verbieten würden, ihren Hobbies nachzugehen während zeitgleich die EM quer durch Europa tourt
  • nur noch 70% ihres Gehaltes zahlen würden, schließlich ist Kurzarbeitergeld doch das, was die Nation rettet
  • mitteilen würden, dass fortan bei den Sitzungen bitte Jacken mitzubringen sind, damit alle 15 Minuten quergelüftet werden kann

Solidarität ist wichtig. Solidarität ist notwendig. Aber sie ist nichts, das man nur von anderen fordern kann und die Kosten dafür dürfen nicht immer bei den Gleichen liegen.

Ich bin der Meinung, dass unsere Kinder und Jugendlichen einen überproportional hohen Preis im Rahmen der Solidarität bezahlt haben - dafür, dass sie nach wie vor als nicht wichtig genug erachtet werden, um ihnen ernsthaft Aufmerksamkeit zu widmen. Das hat mit Solidarität nichts zu tun - das ist meiner Ansicht nach beschämend. 


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